....wer macht denn sowas?

Setup (1/2): JDK, Android SDK, Eclipse

Was wir vorhaben einzurichten:

In diesem Post geht es um die Installation des Java Development Kits, des Android SDK's, Einrichten der Java und Android Path Variablen und Installation von Eclipse inkl. Android Development Tools Plugin. Zusammen mit dem nächsten Beitrag, soll das Ziel sein, eine Entwicklungsumgebung für Java bzw. Android aufzusetzen und alles soweit vorzubereiten, dass wir LibGDX Code auf unserem Rechner, sowie auf unserem Android Gerät ausführen und debuggen können. Dafür ist es notwendig, ein paar Software-Voraussetzungen zu erfüllen.

Ich werde die notwendigen Schritte und Einstellungen für ein Windows System mit der IDE Eclipse erklären. Natürlich ist alles hier erklärte auch in leicht abgewandelter Form unter Mac OSX und Linux möglich. Eine gute Alternative für Eclipse ist im Moment die IDE IntelliJ Idea, am besten in der Ausprägungsform des Android Studios. Ich für meinen Teil bevorzuge allerdings Eclipse.

Kurz ein paar einleitende Worte zu Java:

Java ist eine plattformunabhängige, objektorientierte Sprache. Was bedeutet in diesem Zusammenhang Plattformunabhängigkeit?

Im Gegensatz zu anderen Sprachen wie C oder C++ (Kompilersprachen) wird der für Menschen lesbare Source-Code nicht in Maschinencode umgewandelt (kompiliert). Maschinencode stellt für den Prozessor lesbares Futter dar. Die Programmlogik wird dabei in so atomare Teile zerlegt, dass jeder Teil für sich einen Arbeitsschritt im Befehlssatz des Prozessors darstellt. Da die Prozessoren auf verschiedenen Plattformen nicht das gleiche Futter mögen (also andere Befehlssätze aufweisen), müsste für jede Plattform eine eigene, für den jeweiligen Prozessor angepasste Geschmacksrichtung des Sourcecodes kompiliert werden. Kompilersprachen gegenüber stehen die Interpretersprachen wie z.B. JavaScript oder PHP. Hier wird der von Menschen lesbare Sourcecode (meistens) nicht weiter optimiert und direkt zur Laufzeit von einem Interpreter interpretiert und erst dann an den Prozessor weitergegeben. Das hat allerdings den Nachteil, dass die Interpretation viel langsamer ist als für den Prozessor direkt ausführbare Instruktionen als Maschinencode.

Java ist hier irgendwie eine Mischform. Der Sourcecode wird zwar in einen von Menschen nicht mehr lesbaren Bytecode kompiliert, allerdings fangen auch die Prozessoren mit diesem Bytecode noch nichts an. Warum wird das so gemacht? Das ist, bei genauerem Überlegen, sehr sinnvoll. Der Bytecode ist viel besser optimiert als ein für Menschen leserlicher Code und ist somit schneller in der Ausführung. Er kann auch auf jeder Plattform und jedem Prozessor ausgeführt werden, da er nicht direkt in den Prozessor gefüttert wird und deshalb "geschmacksneutral" ist, wenn wir bei dieser Analogie bleiben wollen. Jetzt kommt allerdings der Haken. Auf dem Zielgerät muss eine "Java Virtuelle Maschine"(JVM) laufen, die den Bytecode zur Laufzeit analysiert und in Maschinencode für den Prozessor übersetzt. Diese JVM ist Teil des Java Runtime Environments (JRE), dass überall dort installiert sein muss, wo Java-Code ausgeführt werden soll. Somit kann der selbe Java-Bytecode also plattformunabhängig auf allen Systemen, sei es OSX, Windows, Linux oder Solaris ausgeführt werden. Die Aufbereitung für den Prozessor übernimmt die JVM.

Früher war der Nachteil an diesem Verfahren, dass die letztendliche Interpretation des Bytecodes für den Prozessor immer noch langsamer war als bereits fertig kompilierter Maschinencode. Durch die stetige Verbesserung der Just-in-Time Kompilierung und Optimierung (JIT) konnte allerdings die Geschwindigkeit stark erhöht werden und steht einer Kompilersprache nur mehr gering hinterher.

Los gehts:

Falls ihr bereits ein JAVA SDK installiert habt, könnt ihr diesen Schritt gerne überspringen. Es muss allerdings mindestens Java 7 vorhanden sein. Java 6 wird für unser Vorhaben nicht unterstützt. So, jetzt sind wir stark abgeschweift. Naja, kann ja vorkommen. Was ihr von der Oracle Website braucht, ist das Java SE Development Kit 8 (JDK). Noch eine wichtige Info: Ich garantiere natürlich auf keinen Fall, dass ihr euch nicht den PC ruiniert, wenn ihr dieser Anleitung folgt. Alles auf eigene Gefahr. Versteht sich. Aber no risk, no fun. Und so groß ist das Risiko nicht. :) Nach erfolgter Installation solltet ihr noch die Path-Umgebungsvariable einstellen, damit die Kompiler-Werkzeuge von überall aus in der Command-Shell erreichbar sind. Sollte die Installationsroutine bereits das Bin-Verzeichnis des JDK's im Path vermerkt haben, sind die folgenden Schritte nicht durchzuführen. Einfach prüfen, ob in der Systemvariable Path bereits der Pfad zum JDK/bin eingetragen ist.

Falls noch nicht vorhanden, geht ihr so vor:

  1. Öffnet mit der Windows-Taste + Pause eure Systeminfo
  2. Klickt links in der Sidebar auf "Erweiterte Systemeinstellungen"
  3. Wechselt auf den Tab "Erweitert" und drückt im unteren Drittel auf den Button "Umgebungsvariablen"
  4. Fügt eine neue Systemvariable mit dem Namen "JAVA_HOME" hinzu (falls es sie noch nich gibt). Als Wert muss der Pfad eurer Java Installation gespeichert werden
  5. Öffnet die Systemvariable "Path" und fügt am Schluss ";%JAVA_HOME%\bin" ohne die Hochkomma hinzu. !!Achtung, sonst im Path nichts ändern!!
  6. Fast fertig. PC neustarten und testen. Dafür einfach eine Command-Shell öffnen und javac -version eingeben. Ihr solltet eine Info sehen, welche Version des JDK ihr installiert habt. Sollte eine Fehlermeldung oder etwas anderes stehen, seid ihr vermutlich verloren und niemand kann euch jetzt noch helfen.

Eclipse:

Als nächstes ladet ihr euch die aktuelle Version der Eclipse IDE herunter. Ein sehr flexibles Entwicklungswerkzeug, das für sehr viele verschiedene Programmiersprachen geeignet ist. Die aktuelle Fassung trägt den Namen Luna. Eclipse nimmt seinen Ursprung allerdings in der Java Entwicklung. Es ist nicht nur eine IDE (Integrated Development Envirionment), sondern ein Framework zur Entwicklung weiterer Entwicklungstools. Wir werden allerdings diesen Bereich von Eclipse nicht zu sehen bekommen und benützen es vorrangig als Java Entwicklungsumgebung. Aus diesem Grund reicht das Download-Paket "Eclipse IDE for Java Developers" aus. Entpackt das Archiv in euer Programme-Verzeichnis und verknüpft die Eclipse.exe auf euren Desktop.

Nachdem ihr Eclipse gestartet habt, sollt ihr ein Verzeichnis für euren Workspace angeben. Keine Angst, das ist nicht das Verzeichnis, wo eure Projekte liegen.

Workspaces werden in Eclipse verwendet, um thematisch zusammengehörige Projekte gleichzeitig in Eclipse verfügbar zu haben. So könnten wir z.B. alle Tutorial-Projekte zur gleichen Zeit in einem Workspace geöffnet haben, und müssten uns nicht mit dem Finden und Öffnen der einzelnen Projekte herumärgern. Das Verzeichnis, welches den Workspace darstellt, wird nur als Träger für die Meta-Informationen benützt, welche Projekte in diesem Workspace liegen. Eure tatsächlichen Projekte könnt ihr auf der Festplatte verteilen oder ablegen wie ihr euch das vorstellt. Ihr importiert dann diese Projekte einfach mit dem Import-Tool in den Workspace und habt es von dem Zeitpunkt an zum Bearbeiten und Debuggen verfügbar. Nach dem Öffnen des Workspaces gelangt ihr auf den Welcome-Tab. Klickt einach rechts oben auf "Workbench" und schon gehts los.

Android SDK:

Um die Klassen, Methoden und Funktionen des Android Systems für uns nutzen zu könnnen, müssen wir noch das Android SDK installieren. Achtet darauf, dass ihr die Stand-Alone SDK Tools downloaded und installiert, nicht das Android Studio. Nach der Installation, startet ihr den SDK-Manager (!!Wichtig: als Administrator!!). Wählt die für euch sinnvollen Packages aus und installiert sie.

Dabei ist Geduld gefragt, dass kann je nach Auswahl etwas dauern. Zum Entwickeln mit LibGDX solltet ihr mindestens API Level 8 installieren. Ich empfehle allerdings, mit dem "latest and greatest" zu gehen und nur den neusten API-Level zu installieren. In den Extras sind noch einige interssante Dinge versteckt, z.B. die Google USB Driver die man benötigt, sollte man mit Nexus Geräten debuggen wollen.

Sind alle SDK-Pakete installiert, müssen wir für das Android SDK auch noch die Path Variable anpassen. Sollte die Installationsroutine bereits die Android Tools im Path vermerkt haben, sind die folgenden Schritte nicht durchzuführen. Einfach prüfen, ob in der Systemvariable Path bereits der Pfad zu den Android Tools eingetragen ist. Falls nicht, gehen wir wieder wie vorher vor:

  1. Öffnet mit der Windows-Taste + Pause eure Systeminfo
  2. Klickt links in der Sidebar auf "Erweiterte Systemeinstellungen"
  3. Wechselt auf den Tab "Erweitert" und drückt im unteren Drittel auf den Button "Umgebungsvariablen"
  4. Fügt eine neue Systemvariable mit dem Namen "Android_Home" hinzu. Als Wert muss Pfad eurer Android SDK Installation gespeichert werden
  5. Öffnet die Systemvariable "Path" und fügt am Schluss ";%Android_Home%\tools;%Android_Home%\platform-tools" ohne die Hochkomma hinzu. !!Achtung, sonst im Path nichts ändern!!

Den PC wieder neu starten. Schon seit ihr fast am Ziel von Part 1 angekommen.

Eclipse ADT Plugin:

Wir müssen jetzt Eclipse noch lernen, die Android Bibliothek zu benützen, sowie Logs aus dem Android System und Android Debugging zu ermöglichen. Dafür müssen wir die ADT-Tools installieren. ADT = Android Development Tools.

  1. Innerhalb von Eclipse auf "Help" klicken und danach "Install new Software".
  2. Mit dem Button "Add" die Update-Quelle für das ADT-Plugin hinzufügen.
    Installations-Quelle: https://dl-ssl.google.com/android/eclipse/

  3. Die neue Quelle im "Work with" Dropdown auswählen
  4. Die Developer Tools anhaken und installieren

 

Jetzt müssen wir die Installation nur noch testen:

  1. Startet Eclipse
  2. File -> New -> Java Project
  3. Hallo Welt aufklappen und mit der rechten Maustaste auf src klicken
  4. Im Kontextmenü New -> Class auswählen
  5. Folgenden Source-Code in die neue Klasse schreiben:
    package myFirstPackage;
    
    public class HalloWelt {
    	public static void main(String[] args) {
    		System.out.println("Hello World!");
    	}
    }

     

  6. Rechte Maustaste auf die neue Klasse
  7. Im Kontextmenü Run As -> Java Application auswählen
  8. Im Console-Tab sollte die Ausgabe "Hallo Welt" erscheinen.

Gratulation. Ihr habt jetzt ein System, auf dem ihr Java und Android entwickeln könnt. In der nächsten Einheit kümmern wir ums um das Abhängigkeiten-Management mit Gradle, das Aufsetzen und Importieren eines neuen LibGDX Projektes und das Ausführen und Debuggen des ersten Hallo Welt Programmes.

Letzte Änderung amMittwoch, 31 Mai 2017 15:37
Michael Wagner

...ist Web- und Spieleentwickler und aktuell bei der Firma Microtronics Engineering GmbH beschäftigt, wo er an M2M Software und dem Internet der Dinge arbeitet. Nebenbei unterrichtet er Webentwicklung an der Fachhochschule St. Pölten. In seiner Freizeit grübelt er an Videospiele-Ideen, bastelt an Webdevelopment Toolchains herum, treibt gelegentlich Sport, macht Musik oder ist mit seiner Kamera unterwegs. Nebenberuflich studiert er im Masterstudiengang "Web and Mobile Media Design" an der Donauuniversität Krems.

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